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4. Vereinsfahrt nach Castelluccio

(Text: Jan Keller, Fotos: Dieter Weyer)

Fliegen, Genießen, Erleben

Die Fahrt nach Castellucio war unspektakulär. Treffen: Freitag, den 05.10.2001 um 14 Uhr in Untereschbach. Teilnehmer: Dieter und Daniel Weyer, Klaus Hlawa und ich. Bei Luzern eine Übernachtung. Am nächsten Morgen gemütlich durch den Gotthard-Tunnel, vorbei an Mailand und Ancona.

Ca. 30 Kilometer nach Verlassen der Autobahn wurde die Gegend wild und ursprünglich. Wir hatten die Ausläufer der Abbruzzen und Sybillinischen Berge erreicht. Grandios der Blick vom Forca di Presta Pass hinunter in das Tal von Castellucio.


Eine völlig ebene und ovale Fläche von etwa 6-8 Kilometer. Ein eiszeitlicher See auf etwa 144 Meter Höhe, der trockengefallen ist und in dem sich nur zwei etwa 160 Meter hohe Hügel erheben. Die das Tal umkränzenden Berge sind (vom Talboden gemessen) zwischen 400 und 1200 Meter hoch. Der Monte Vettore misst dabei stolze 2476 m.
Bis auf ganz wenige, kleine Flächen sind die Hänge und das ganze Tal von Gras bedeckt. Ideale Start-, Touch and Go - und Landebedingungen. Bedingt durch die geographische Gegebenheit - ein ovaler, fast schon kreisrunder Kessel - kann man bei praktisch jeder Windrichtung fliegen.
Die beiden schon erwähnten Hügel, die aus der Ebene hervorragen, sind geradezu prädestiniert zum Spielen mit dem Schirm und zum Fliegen im abendlichen Wind, bis der Tau sich schwer auf den Schirm legt. In aller Regel ist die Mittagszeit wegen allzu starker Thermik und wegen der sich nahezu regelmäßig einstellenden Windumkehr unfliegbar.
Gute Informationen erhält man durch die sehr freundliche und hilfsbereite Drachen- und Paraschule "Paradelta“ in Castellucio, in der man sich unbedingt anmelden muss (kostenlos!). Den Morgen verbrachten wir gewöhnlich am Fontanile Startplatz und warteten darauf, dass sich der herbstliche Nebel - aus dem Castellucio selbst häufig herausragte - vom Talboden hob. Immer aufs Neue genossen wir die Ruhe und die einzigartige Umgebung.


Dieses Gebiet taugt nicht für hektische Flieger, die am liebsten aus der Seilbahn springen, sich gleich in die Luft stürzen und, unten angekommen, wieder auf dem schnellsten Weg zur Gondel hetzen.
Mittags eine geruhsame Brotzeit auf dem Marktplatz, nachmittags dann zum Startplatz am Forca di Presta oder, falls der Wind zu stark ist, zum Osthang des Übungshügels und Wingovers fliegen, bis einem die Arme zu lang geworden sind.


Der Flug hinunter nach San Pellegrino, Richtung Norica ist ebenfalls sehr zu empfehlen. Alle Startplätze sind mit dem Auto zu erreichen, sofern es sich nicht um einen tiefergelegten Manta handelt. Auf den holprigen, landwirtschaftlich genutzten Wegen war natürlich der von Dieters Frau ausgeliehene Landrover besonders geeignet.


Da es keine Seilbahnen gibt, ist man als Alleinfahrer eher aufgeschmissen. Fahrgemeinschaften am Ort sind nicht immer leicht zu organisieren. Castellucio befindet sich ganz in der Nähe der wichtigsten Orte des christlichen Abendlandes. Über Norica (Benedikt von Nursia), Assisi (San Francisco), Orvieto und Perugia Worte zu verlieren ist reine Zeitverschwendung. Wenn man will, ist man in 2 Stunden in Rom. Genügend Abwechslung für ein paar nicht fliegbare Tage. Selbst von Rom kommen die Italiener um in Castellucio Linsen, Honig und Trüffel einzukaufen.
Pepe in seiner „Taverna" ist nicht nur selber Flieger und gibt, vielsprachig wie er ist, gute Tipps, sondern ist auch Genussmensch und pflegt eine gute, nicht überkandidelte, italienische Küche. Gerne empfiehlt er einen guten Vino aus dem in der Nähe gelegenen berühmten Weinanbaugebiet „Monte Falco". Zusammenfassend ist zu sagen, dass Castellucio ein Reiseziel ist, das vielseitige Erfüllung bieten kann. Vorausgesetzt, man nimmt nur einen Bruchteil der Möglichkeiten an, und wenn dann auch noch alles so harmonisch abläuft wie bei uns, dann wird mein Schwärmen für dieses Gebiet nur allzu verständlich. Vielen Dank, Dieter, für dieses Erlebnis.

Weitere Fluggebiete: Monte Cucco (gute Informationen auch bei: O. Guenay: Die schönsten Fluggebiete rund um das Mittelmeer, Verlag Bruckmann, München, 1997)

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