6. Vereinsfahrt zur Emberger Alm und zum Bohijnsee
(Text: Monika Mostert-Ostermann,
Fotos: Bernd Hünermund und Frank Adler)
Direkt zu Beginn unseres Urlaubes fuhren wir als Vorhut zur Emberger Alm. Vereinbart hatten wir, dass unsere Kollegen am nächsten Samstag im Bus hinterher kommen würden.
Das OWF-Team vor dem Start in Köln
Diesmal hatte ich mir einen Mistral II von Thomas Beyhl ausgeliehen, den ich bei Gefallen kaufen würde. Nach der Ankunft wurde unser Apartment (direkt am Landeplatz) bezogen und der auffrischende Wind lud geradezu ein, den „Neuen“ zumindest mal in die Luft zu befördern. Also ab auf die Landewiese zum Groundhandling (supercool - aber Aufziehübung ist wohl auch ok.). War schon nett. So haben wir eine Woche Urlaub mit Fliegen und Schwimmen verbracht.
Manfred Stegelitz kam bereits im Lauf der Woche und hatte sein Rund-um-sorglos-Paket mitgebracht: Geländewagen mit Anhänger, darauf Motorrad und Mountainbike, im Auto den Gleitschirm und Campingausrüstung, auf dem Auto das Paddelboot, superwichtig in Slowenien!!
Die Kollegen saßen zu Hause auf gepackten Taschen und in der Nacht zum Samstag ging es los. Hans Josef hatte bewachte Parkplätze besorgt, Getränke in den Bus gepackt und ab ging die Fahrt. Ziemlich entspannt, denn Platz war genug, um auszuruhen oder zu schlafen.
Startplatz Emberger Alm: Nur Geduld
Mittags gab es dann die ultimative Riesenbegrüßung auf dem Campingplatz in Greifenburg, der mittlerweile zum Treffpunkt vieler Ostwindfreunde geworden ist. Die Schnellsten hatten sich bereits zum Startplatz bringen lassen und kamen dann geflogen. In einer Pension waren bereits Zimmer gebucht und zwei Einzelzimmer gab es bei uns auf dem Platz.
An den nächsten Tagen konnte immer bis zum frühen Nachmittag geflogen werden, dann zog es zu und es gab Schauer und Gewitter. Bei einem Startabbruch verstauchte sich Horst den Fuß, jedes Angebot, ihn zum Arzt zu bringen schlug er aus. Am nächsten Tag sah die ganze Sache sehr dick und bunt aus, aber fliegen hilft wohl auch in solchen Fällen. Psst, im Vertrauen: ich hätte das nicht ausgehalten.
Jan startet!
Dienstag Mittag packten wir Auto und Bus und fuhren nach Slowenien. Der Wetterbericht verhieß für die gesamte Ecke nichts Gutes: Regen sollte es geben. Thomas Beyhl hatte uns angeboten, am Mittwoch zusammen zu fliegen. Ein Blick morgens aus dem Fenster belehrte uns jedoch eines Besseren: Es schüttete und ein Ende war nicht abzusehen. Thomas und seine Fluglehrer fuhren morgens zu einem ziemlich weit entfernten Übungshang und die Ostwindfreunde wählten das Alternativpogramm: Stadtbesichtigung von Bled. Eine schöne Altstadt war zu sehen und ein Besuch in einer rustikalen Pizzeria rundete die ganze Sache ab. Nachmittags machten wir uns auf den Rückweg und es hörte tatsächlich auf zu regnen.
Ein Dorado für Drachenflieger!
Kollege Manfred kam von der Emberger Alm dazu und nach dem Essen ging es dann an's Gurtzeuge einstellen. Alukarabiner wurden gegen Stahl ausgetauscht, das Speedsystem neu eingestellt oder direkt ausgetauscht. Thomas und seine Mannen hatten alle Hände voll zu tun. Mein Gurtzeug wurde komplett neu eingestellt und ich gebe zu, der erste Flug war ganz schön gewöhnungsbedürftig! Dann wurde das Pogramm für den ersten Tag mit jedem einzeln besprochen. Rollen und Nicken sollte dabei sein, sieht ja ziemlich einfach aus (dachte ich). Für meinen zweiten Flug wusste ich noch nicht genau, was ich erfliegen wollte und in einem Anfall von geistiger Umnachtung erklärte ich mich bereit, nach einem Klapper die Rettung zu werfen. Jan wollte ebenfalls seine Rettung werfen und so kam es, das wir am nächsten Tag mit als Erste starten durften.
Das Wetter sah zwar morgens nicht toll aus, aber es sollte trocken werden. Am späten Vormittag ging es los, die Busse wurden gepackt und Manfred fuhr - mit Boot - hinterher zum Landeplatz. Die Flugschule baute Pavillon und Kamera auf und die Piloten holten sich Funkgeräte, wasserdichte Hüllen und Schwimmwesten. Der Startplatz war noch im Nebel, aber um Zeit zu sparen, fuhr der erste Trupp schon mal rauf. Bis wir angelangt waren, konnte man schon fast den Landeplatz sehen.
Akro-Rolf machte sich startklar, ging raus und zeigte uns „normalen“ Piloten wie man einen SAT !?! oder was auch immer fliegt.
Auf dem Weg zum Startplatz am Bohinjsee
Der nächste war Thomas, er flog ein kleines Pogramm und dann ging es für alle los. Bei den Kollegen sah es schon nicht schlecht aus und dann durfte ich. Start war ok, rausfliegen und aufs Kommando warten. Dann der Einsatz zum Rollen: Bremse rechts, Bremse links, Gewicht verlagern. Hört sich toll an, aber in einem neu eingestellten Gurtzeug mal eben von rechts nach links rutschen, während die Fliehkraft genau andersherum will ist nicht so einfach. Also den ganzen Summs stabilisieren und noch mal, wieder nix. Dann eben nicken, das klappte! Fühlt sich spektakulär an aber die Videoanalyse am Abend zeigte ganz klar, wie verhalten die Reaktion war. Landen und auf die nächste Tour rauf warten.
Schnell noch den Mistral gegen den alten Astral getauscht und nun zum zweiten Flug - mit Rettungswurf. Meine Angst nahm schlagartig zu und steigerte sich fast bis zur Panik. Nachdem ich meinen Protektor ausgebaut hatte, konnte ich Jan noch bestaunen. Mutiger als ich, startete er als erster, warf seine Rettung und kam mit diesem doch etwas kleinen Modell ziemlich zügig runter. Die Bergung mit dem Boot ging flott, da von dort auch immer die beste Position zum Wurf bestimmt wird, damit niemand zu lange im Wasser ist.
Hans Josef beim Start
Zwischenzeitlich konnten noch zwei Kollegen ihr Programm fliegen, dann musste ich. Am Rande der Panik starten - alles klar - Klapper ziehen, Kappe stabilisieren und auf die Kamera zu fliegen. Kommando: Rettung werfen und raus damit. Zugeben muss ich, dass die Öffnung länger brauchte, weil ich schon länger nicht mehr gepackt hatte. Plötzlich ging die Gleitschirmkappe nach vorne, entlastet durch die Rettung. Ich schnappe mir die Gurte und ziehe den Schirm an, keine Scherenstellung und durch meine große Rettungsfläche habe ich alle Zeit, um mich auf eine Wasserlandung vorzubereiten. Mein Kopf wurde bei der Wasserung kaum eingetaucht und eigenartiger Weise fühlte sich das Wasser auch nicht kalt an. Kaum im Wasser waren auch schon die Boote da. Die Flugschule rettete erst den Schirm, dann mich und Chris rettete mit Manfreds Paddelboot den Container. Jetzt konnte ich Jan Gesellschaft leisten, während alle Kollegen nochmals ihr Pogramm fliegen konnten.
Mit der Hilfe von einem bischen Sonne und Wind konnten wir den Nachmittag mit dem Trocknen unserer Ausrüstung verbringen.
Bernd mit vorbildlicher Wasserlandung
Die abendliche Videoanalyse zeigte gnadenlos jeden Fehler, aber von Thomas gab es immer Tipps, wie man was verbessern könnte oder Aufmunterung, damit man für den nächsten Tag genug Motivation hat. Eine bessere Betreuung kann man sich kaum wünschen!
Jeden Abend gab es dann die Wunschliste der zu fliegenden Aufgaben. Bei mir fast jeden Tag dabei: Rollen! Die Rettungswürfe waren immer sehr spektakulär und oft konnte man angeblich harmlose 1-2 Schirme mit tollen Reaktion bestaunen. Kollege Jan war super: an drei Tagen mit drei verschiedenen Rettungen im See zu landen, das hat was!
Der Ostwindfreunde-Gang stand ein Bayern-Team entgegen, da wir diesmal keinen kompletten Kurs buchen konnten, aber wir Rheinländer sind kaum zu schlagen! Auf Grund seines verstauchten Fußes landete Horst einfüßig und auf dem Po, Gott-sei-dank gab es dafür keine Haltungsnoten.
Reiner beim Groundhandling
Das Wetter war an allen Tagen genial: Warm und trocken, so dass man täglich mindestens zweimal fliegen konnte. Manfred stellte unserer Truppe sein Boot zur Verfügung. Hier nochmals besten Dank dafür, denn es wurde gerne genutzt !
Abends konnten wir lange draußen sitzen und es gab ein Grillfest für alle. Nach vier Tagen Sicherheitstraining waren jedoch alle Reserven aufgebraucht. Einen Flug mit Programm gab es noch am Sonntag Morgen, dann war es vorbei. Thomas fuhr noch mal die Piloten hoch, die einen letzten Flug machen wollten. Wie zu erwarten, waren alle Ostwindfreunde dabei.
Zu später Stunde beim Kräutertee
Es ging fliegerisch kaum etwas. Mein Start war grottenschlecht .... aber entspannt zum Landeplatz fliegen - mit Zeit zum in-die-Gegend-gucken - hat auch was für sich. So hatten wir noch einen entspannten Nachmittag im Strandcafè und am See.
Am Abend konnten wir gemeinsam Abschied feiern, denn am nächsten Morgen trennten sich unsere Wege: Manfred fuhr nach Sillian - Gleitschirm tauschen, wir wollten noch Freunde in Bayern besuchen und „unser“ Vereinsbus fuhr mit den Kollegen zurück nach Köln.
Eine tolle Woche mit netten Kollegen war zu Ende. Danke noch mal an Bernd, Frank, Hans Josef, Horst, Jan, Manfred, Norbert, Rainer und Chris (der die Container rettete)!!!
Übrigens: der „verstauchte“ Fuß von Horst stellte sich zu Hause als gebrochen heraus, und der Knöchel musste noch operiert werden. So gab es noch einige unfreiwillige Tage im Krankenhaus.
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