Slowenien - Dober Dan
Dober Dan ! Guten Tag
(Bericht und Fotos: Reinhard Jonas)
Ab Montag (13. Juni) konnte ich an einer geführten Tour der Westallgäuer-Drachenflug- und Gleitschirmschule (http://www.ich-will-fliegen.de) teilnehmen – mal wieder, werden engagierte Leser denken. Das Ziel war zum wiederholten Male Slowenien (1).
Doch im Gegensatz zu allen anderen fährt diese Flugschule nicht ins Soca-Tal (2), sondern schlägt das Quartier auf dem Segelflugplatz Lesce (3)auf (Foto oben, Dobrca im Hintergrund(siehe Fußnote 9)). Hier sind alle Flugzeuge willkommen, vom Fallschirmspringer über Gleitschirm, Flyke, Minimum, UL-Hubi bis zum Antonov-Doppeldecker – wenn man über die Beziehungen der Westallgäuer Flugschule verfügt. Ob man als „Privatflieger“ diese Möglichkeiten ebenfalls erhält, ist zweifelhaft – der Campingplatz am Segelflugplatz bleibt einem auf jeden Fall verschlossen. Es gibt einen großen, von sozialistischem Charme geprägten, Campingplatz (Sobec) auf der anderen Seite von Lesce - Wildwasseranschluß ist hier vorhanden.
Vom Camp am Segelflugplatz werden (je nach Wetter) kleinere Ausflüge im Flugschulbus durchgeführt, u.a. an den Bohin-See, Tolmin, Kobarid, Strmiza, Ajdovscina, und Nova Gorica. Natürlich ist die Karavankenkette das primäre Ziel der Tour. Diese Gegend ist kaum touristisch erschlossen, Bergbahnen sind (im Sommer) nicht verfügbar. Dafür ist die Natur ursprünglich, die Menschen außerordentlich freundlich und die Fluggebiete in der Regel leer. So leer wie dieses Jahr, habe ich sie noch nie vorgefunden! Vielleicht liegt das auch in den drei Wochen Sch…wetter, die erst kurz vor unserer Ankunft in Lesce ein Ende fanden, oder kann die WM ‚Schuld’ sein? Außerdem bietet diese Bergkette ordentliche Höhendifferenzen und ein Streckenflugpotential erster Güte. Außenlandungen können allerdings zu tagelangen Fußmärschen führen! Und wenn man dann in Kärnten oder der Steiermark ‚raus kommt’ …
Das Fliegen an der Karavankenkette im Bereich Lesce bis Cerklje (Foto oben, Flug am Krvavec in 2200m Höhe, Blick nach W) gleicht dem von Bassano: man startet an der ersten Bergkette, die durch den Südwind (hoffentlich) dynamisch überströmt wird und zusammen mit reichlich Thermik das ‚NachObenKommen’ erleichtert. Auch die häufige ‚Diesigkeit’ erinnert an Bassano. Beim Parawaiting kann man den Blick in die Ebene von Ljubljana und auf den Flughafen Brnik genießen.
Zum Einfliegen machten wir bei der Anreise einen kurzen Zwischenstopp und genossen einen Abgleiter von der Gerlitzen (4) (Foto oben, Blick auf Villach, Ossiacher See verdeckt links unten).
Am ersten Tag in Slowenien war amKrvavec (5) leider auch nur ein verlängerter Abgleiter drin. Am nächsten Tag war der Vogar (6) am Bohin See unser Ziel (auch diesmal war die Flugschule Chiemsee zum Sicherheitstraining vor Ort, Foto oben). Immerhin bietet das Restaurant inzwischen wieder feste Nahrung an – der Flug war bei drehendem Wind ziemlich schwierig.
Am dritten Tag in Slowenien werden die Verhältnisse endlich besser, d.h. typischer. Also auf zum Krvavec, einen schnellen Abgleiter (zu früh?) und dann einen richtigen Flug hingelegt. Unsere zwei Drachen gehen auf Strecke – warum muss ich immer dringend ‚seuchen’, wenn die Verhältnisse endlich gut werden? Vielleicht sollte ich doch mal Windeln kaufen? (Foto oben, Startplatz außerhalb Bild rechts unten; hinter den schneebedeckten Bergen liegt schon Klagenfurt).
Dann wieder ein Tag mit schwierigen Windverhältnissen am Vogar, nicht alle Teilnehmer kommen ’raus und die Glücklichen können sich auch nicht lange halten. Wahrscheinlich waren wir am falschen Berg; abends Wetterleuchten in Kärnten bzw. der Steiermark. Dieses Schauspiel werden wir noch öfter erleben dürfen.
Es ist Zeit für einen Ausflug: ab in die Autos und in 1½ Stunden via Bohin-See und Podbrdo nach Tolmin (7) gefahren. Gewitter sind angesagt, doch unsere Streckenflugambitionen lassen uns zu lange warten (jaja, Gugi – der Fluglehrer – Du hattest mal wieder Recht!). Nur die Drachen schaffen die Strecke nach Kobarid und zurück - trotzdem ein schöner Flug mit spannendem Abschluss – es steigt überall (Foto oben, auf Strecke, Blick nach N). Auch Achim Joos und seine Streckenflugkursteilnehmer stehen am Landeplatz; sie sind wg. konstantem schlechtem Wetters in Greifenburg ins Soca-Tal gewechselt.
Jetzt wird’s stressig: Material an der Seilbahn zur Kriska Gora (8) abgegeben und in einer Stunde hinterher gelaufen (ca. 500 Höhenmeter; Foto rechts, Blick zurück während Anflug auf Landeplatz). Oben endloses Warten auf passenden Wind – die Drachen stört es mal wieder nicht – sch…! Immerhin ist die Bergstation bewirtschaftet und das Warten fällt leichter. Die Aussicht ist wie von allen Karavanken-Startplätzen dieser Tour gleich schön; in Brnik starten ein paar Urlaubsclipper. Um mich am Gipfel zu halten bin ich zu früh gestartet (die Nachfolgenden hängen oben) oder zu dumm. Immerhin kann ich mich lange über dem unteren Startplatz (Talstation der Materialseilbahn) halten. Gerlinde (die uns bekochende Frau des Fluglehrers) muss als Letzte leider zu Fuß ins Tal – es folgt der einzige Abend, an dem wir nicht lecker bekocht, sondern vom Pizza-Service versorgt werden. Trotzdem wird es ein echtes Nachtmahl!
Am letzten Tag in Slowenien kommt die Dobrca (9) dran: von früheren Besuchen hatte ich nur gute Erinnerungen. Diesmal ist die Thermik schon früh stark und erschwert den Start, was ich leider schmerzlich zu spüren bekomme. Trotzdem war für mich noch ein toller Streckenflug möglich mit Landung am Segelflugplatz Lesce. Die Anderen fliegen viele Stunden – das ganze Tal nördlich des Segelflugplatzes trägt: suuper Wetter! (Foto oben, Vordergrund ‚Landeplatz’).
Abreisetag ! Aber ein Flug an der Gerlitzen (s.o.) ist allemal noch drin. Auch hier ist kaum etwas los, der Campingplatz ist nicht mal halb gefüllt. Wir füllen das Restaurant des Platzes und unsere Mägen für die Abreise.
Na svidenje ! Ich komme wieder !
Fluggebiete, die während der letzten Tour nicht besucht wurden, aber bei entsprechendem Wetter und Interesse der Flieger besucht werden:
Kobarid: Mehrere Fluggebiete, zum Start vom Stol sollte wegen des (Straßen-) Zustands unbedingt der Taxidienst (siehe Fußnote 7) in Anspruch genommen werden; Campingplatz vorhanden aber schattig; großer Landeplatz südl. Kobarid an der Straße nach Suzid (die Assoziation ist aber wirklich unpassend!).
1.) Stol: S bis SO (Foto oben; Blick nach SSO, das Soca-Tal flußab, Kobarid in Bildmitte durch Startplatz verdeckt), grasiger Riesenstartplatz (Foto unten), Höhendiff. ca. 1700 m, aus dem, dem Startplatz gegenüberliegendem, Tal bläst normalerweise ein netter Wind und macht thermo-dynamisches Fliegen möglich, etwa 10 km Streckenflug zum Landeplatz in Kobarid; nähere Landefläche in Staro Selo bei Pizzeria vorhanden; Weltkriegsdenkmal oberhalb Kobarid aus der Luft besichtigen!
2.) (Mrz i vrh) Matajur: NO, Höhendiff. ca. 930 m, Pkw-Auffahrt bis kurz vor Gipfel (Livek) identisch mit Kuk, Landeplatz nicht in Sicht.
3.) Kuk: NO und SW (Foto oben; Matajur auf der anderen Seite des aus der Bildmitte nach rechts verlaufenden Tales), Höhendiff. ca. 1000 m, Startplatz neben Sender klein, normalerweise Morgen-Fluggebiet; weiterer Landeplatz unterhalb Gipfel etwa bei Kamno.
4.) Krn (Nero) und Krasji vrh: hier kenne ich nur die Namen.
Strmica: nördl. Postojna, dort unbedingt die Höhle (Predjama) und die Burg anschauen; Auffahrt mit Pkw; Startrichtungen S bis SO, Höhendiff. ca. 150m, lang gezogener grasiger leicht gebogener Kamm (Foto oben), sehr einfach, meist dynamisches Fliegen; Landung auf abgemähten Wiesen nahe dem Dorf.
Nova Gorica (Lijak): östl. Nova Gorica bei Smihel; Landeplatz bei Smihel nördl. der Straße Nummer 10-5; etwas knifflige Auffahrt mit Pkw und kurzer Fußmarsch zur Startwiese (gibt’s inzwischen eine Ausschilderung?); Startrichtung SW, Höhendiff. ca. 570m, einfacher Streckenflug an der Kante bis hinter Ajdovscina (dort ebenfalls Startplatz: Caven, Landung am Segelflugplatz erfragen).
P.S.: am 1.1.2007 führt Slowenien den Euro als alleiniges Zahlungsmittel ein – ade Tolar !
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(1)
zum Fliegen in Slowenien ist ein Sticker als Jahreslizenz zu erwerben, für die Gebiete Bohin-See und Kobala (Tolmin) werden separat Gebühren gefordert.
(2)
westliches Slowenien, an Italien (Triest) angrenzend; Fluggebiete um Nova Goriza (Lijak), Tolmin (Kobala), Kobarid (Stol, Matajur, Kuk, Krn, Krasij vrh) und Bovec (Vis. Kanin).
(3)
ca. 25 km südl. Karavaken-Tunnel, Nähe Bled und Begunje an der E651 (A1); in Begunje große Fabrik der Fa. Elan (Ski, Jachten, Segelflugzeuge).
(4)
Annenheim, Ossiacher-See, Kärnten, kurz vor Karavanken-Tunnel; Start: SO bis W, Höhendiff. ca. 1400m, Landung am Westufer des Sees (neben Flugschule und hinter Campingplatz, Windsack); Auffahrt mit Auto (Maut) oder Seilbahn (10 Minuten Fußweg vom Campingplatz).
(5)
gesprochen Krawautz, nördl. Cerklje, Skigebiet; mehrere Startplätze, SO bis SW, Hauptstartplatz in Waldschneise; Auffahrt mit Auto, Landeplatz östl. Grad (Windsack); Streckenfugmöglichkeiten i.d.R. nach W.
(6)
Im Triglav-Nationalpark, westl. Bohinjska Bistrica; Auffahrt mit dem Auto von Stara Fuzina, 15min. Fußweg bergab, breite Schneise, S, Höhendiff. ca. 430 m; Landplatz am Parkplatz neben Restaurant oder abgeerntete Wiese.
(7)
Soca-Tal (touristisch sehr gut erschlossen - leider), Auffahrt mit Auto zum Kobala, Fliegertaxi vorhanden (Rademacher hat diesen Job zum Glück inzwischen abgegeben); von NW über S bis O alle Startrichtungen, Höhendiff. ca. 1100m, einfaches Streckflugrevier; Landeplatz nordwestl. Tolmin (Parkplatz mit Lageplan und Windsack), Anflug über den Ort – Achtung: ggfs. Lee eines kleinen Hügels mit Weltkriegsdenkmal beachten; kleiner Campingplatz (Villi) nördlich Tolmin.
(8)
Auffahrt von Golnik, an ‚Talstation’ Waldschneise zum Starten nach SW-S, die Einheimischen fliegen von hier zum Gipfel; am Gipfel Start nach SW bis S, Startwiese ideal, Höhendiff. ca. 900m; Landeplatz im Tal (Windsack); Streckenflug nach W und O.
(9)
Auffahrt etwas versteckt und eigentlich nur 4WD-tauglich; W bis SO, Startwiese steiler als erwartet, Höhendiff. ca. 890m; Landeplatz versteckt im Tal (Trafohäuschen); Streckenflug nach W leicht.